Reykjavik

Reykjavik (Rauchbucht) die nördlichste Hauptstadt der Welt

Auf den ersten Blick wirkte Reykjavik (Rauchbucht) eher enttäuschend auf mich, aber beim näheren Hinsehen, erblickte ich auf einmal den liebenswerten, kunterbunten Kern. Kosmopolitische Großstadt – Lebensart und provinzieller Inselcharme mischen sich auf einzigartige Weise. Die Innenstadt ist so „kompakt“, dass man sie bequem zu Fuß erkunden kann.

Die nördlichste Hauptstadt der Welt, Reykjavik, erhielt erst im Jahre 1786 das Stadtrecht und zählte damals nur 170 Einwohner. Mittlerweile ist die Stadt zu einer Metropole geworden, die nicht nur von Isländern geschätzt wird. Beheizte Bürgersteige, Golfplätze, die bis Mitternacht geöffnet haben, und vor allem das Nachtleben zieht selbst Kurzurlauber aus London und New York an. Zugleich bietet Reykjavik aber auch zahlreiche kulturelle Einrichtungen, wie beispielsweise Museen oder Theater.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die Hallgrímskirkja. Der Glockenturm ist 73 m hoch und bietet einen schönen Ausblick über die Stadt. Sehenswert sind auch Dómkirkjan, der Stadtsee Tjörnin und das neue Rathaus, in dessen Erdgeschoss eine große, dreidimensionale Islandkarte steht. Perlan ist der Name einer großen Glaskuppel, die auf vier Heißwasserbehältern (Inhalt: 24 Millionen Liter 85°C heißes Wasser) thront. Sie ist nach der Hallgrimskirkja das zweite Wahrzeichen der Stadt und bietet dem Besucher einen Wintergarten mit Palmen, ein Restaurant und eine Cafeteria. Die Kuppel dreht sich innerhalb einer Stunde um 360°. In einem der Heißwassertanks hat man inzwischen ein Wikingermuseum eingerichtet.

Als Ingólfur Arnason in Norwegen von einem Land im Westen über dem Meer hörte, beschloss er, seine zu jener Zeit weniger friedliche Heimat zu verlassen und auf Island zu siedeln. Bei der Überfahrt hatte er die Hochsitzpfeiler seines ehemaligen Hauses aus Norwegen geladen, auf deren Balkenenden, wie zu jener Zeit üblich, der Kopf des germanischen Gottes Thor geschnitzt war. Vor der Küste Islands warf Ingólfur die Hochsitzpfeiler nach damaligem Brauch ins Wasser, um an der Stelle, an der sie an Land gespült werden, sein neues Haus zu erreichten. In der ersten Zeit siedelte Ingólfur auf einer vorgelagerten Insel im Südosten Island. Diese trägt heute noch den Namen Ingólfshöfði. Doch nach einigen Jahren entdeckten seine Sklaven die Hochsitzpfeiler in einer Bucht weiter westlich. Aufgrund der in der Ferne dampfenden Quellen gab Ingólfur ihr den Namen Rauchbucht – Reykjavík. Das war der Anfang der Besiedlung Islands im Jahre 874. In den nachfolgenden Jahrhunderten fiel Reykjavík in der Geschichte des Landes zunächst keine besondere Bedeutung zu. Nachdem das isländische Parlament „Althing” im Jahre 1800 zunächst aufgelöst und im Zuge der einsetzenden Unabhängigkeitsbewegung Islands 1843 wieder eingesetzt und nach Reykjavik verlegt wurde, gewann die heutige Hauptstadt an Wichtigkeit. Im 19. und insbesondere 20. Jahrhundert vollzog sich dann ein rascher Aufschwung zur Metropole. Heute zählt Reykjavík über 112.000 Einwohner.